Energieeffizienz ist einer der Pfeiler der schweizerischen Energiepolitik, ganz nach dem Grundsatz, dass die billigste und umweltfreundlichste Energie die ist, die wir nicht verbrauchen und deshalb gar nicht erst nicht produzieren müssen.
Physikalisch ist Effizienz gleichbedeutend mit dem Wirkungsgrad einer Energieumwandlung. Der Wirkungsgrad eines Automotors kann auf dem Prüfstand exakt gemessen werden. Er berechnet sich aus dem Verhältnis von gemessener Leistung zu der pro Zeit zugeführten chemischen Energie in Form von Benzin. Da die Effizienz eines Autos aber nicht nur durch den Wirkungsgrad des Motors, sondern von einer Vielzahl anderer Einflussgrössen, wie Fahrzyklus, Aerodynamik etc. bestimmt wird, wären Angaben über den Wirkungsgrad des Motors für einen umweltbewussten Autokauf wenig nützlich. In Europa hat sich als Mass für die Effizienz eines Autos der Benzin- oder Dieselverbrauch pro gefahrene 100 km etabliert. Ein Auto, das mit 5 Litern Benzin 100 km weit fährt, ist doppelt so effizient wie ein Auto, das für die gleiche Strecke 10 Liter Benzin verbrennt.
Technischer Fortschritt hat in der Vergangenheit in allen Bereichen der Energienutzung (Antriebstechnik, Heizen, Kühlen, Licht, industrielle Prozesse, …) zu teils spektakulären Verbesserungen der Energieeffizienz beigetragen. So zum Beispiel bei der Erzeugung von Licht: Eine brennende Kerze verbraucht zwischen 3 und 8 g Wachs pro Stunde oder umgerechnet 40 bis 100 Watt, wobei mehr als 99% der Leistung als Wärme verloren geht. Eine Glühlampe mit der gleichen Leistung produziert 30-mal und eine moderne LED-Lampe 250-mal mehr Licht. Eine Effizienzsteigerung um einen Faktor 250! Heisst das, dass wir heute 250 mal weniger Energie brauchen als vor 150 Jahren, um unsere Häuser zu beleuchten? Wohl kaum, denn wir haben einen guten Teil der Effizienz-steigerung dafür verwendet, mehr Lampen zu installieren und unsere Zimmer und Strassen heller und länger zu beleuchten. Das Phänomen, dass eine Effizienzsteigerung durch technischen Fortschritt dazu verleitet, mehr Nutzenergie zu erzeugen, nennt man Rebound-Effekt.
Der «Rebound-Teufel» macht immer wieder technische Verbesserungen der Energieeffizienz zunichte. Unter dem Strich bleibt aber in der Regel eine positive Ersparnis übrig, vor allem, wenn die Effizienzverbesserung sehr gross ist wie bei der LED-Lampe. So hat dank den in den letzten 30 Jahren erzielten Innovationen (Energiesparlampen, LEDs) der Stromverbrauch für Beleuchtung in der Schweiz trotz Rebound Effekt abgenommen, von 8.6 TWh 2012 auf 5.8 TWh 2024.Möglich wurde das einerseits durch gezielte Förderung energieeffizienter Technologien und die Einführung der sog. Energieetikette für ein breites Spektrum von Geräten, andererseits durch Verbote von ineffizient gewordenen Technologien, wie z.B. die klassische Glühlampe.
Weil der Rebound-Effekt technische Effizienzfortschritte immer wieder zunichte macht, muss vermehrt das Augenmerk auf die sog. Suffizienz gerichtet werden. Energie-suffizienz meint eine Energieversorgung, die genug Energiedienstleistungen für alle zur Verfügung stellen kann, aber keine Anreize für Mehr- oder Überkonsum bietet. Mehr dazu gibt es hier.