Photovoltaik – Strom vom eigenen Dach

Warum jetzt der richtige Moment für Photovoltaik und Batteriespeicher ist
Stand: März 2026 | Für Eigenheimbesitzer

Was sich grundlegend verändert hat
Strom selbst produzieren und direkt verbrauchen — was lange als Nischenthema galt, ist heute für Hauseigentümer eine der wirtschaftlich sinnvollsten Energieentscheidungen. Der Grund dafür liegt nicht in politischen Subventionen, sondern in harten Zahlen: Die Kosten für Photovoltaik und Batteriespeicher sind in den letzten Jahren dramatisch gesunken. Gleichzeitig hat die Technologie einen Reifegrad erreicht, der vor zehn Jahren noch nicht existierte.

Preisentwicklung: Zwei Technologien auf Talfahrt
Photovoltaik
Noch 2012 kostete eine fertige PV-Anlage in der Schweiz rund CHF 2.300 pro Kilowatt-Peak (kWp). Heute liegt der Preis für ein typisches Einfamilienhaus bei rund CHF 1.750–2.500/kWp1. Die eigentlichen Solarmodule sind sogar um rund 80 % günstiger geworden: von 50 Rappen pro Wattpeak (2016) auf heute rund 11 Rappen.

Batteriespeicher
2013 kostete eine Kilowattstunde Speicherkapazität noch über 1.200 Euro. 2026 sind es rund 440 Euro2 — ein Rückgang von über 60 % in gut zehn Jahren. Die Technologie dahinter — LiFePO4-Zellen — ist dabei nicht nur günstiger, sondern auch sicherer und langlebiger geworden (über 4.000 Ladezyklen).

Jahr

PV-Anlage (CHF/kWp, CH)

Batteriespeicher (€/kWh)

2013 ~3.500 1.277
2016 ~2.200 950
2020 ~1.700 700
2022 ~2.000 (Russland-Ukraine-Krieg) 850
2024 ~1.900 550
2026 ~1.750 440

Preisentwicklung PV-Anlagen (Schweiz) und Batteriespeicher 2013–2026


Abb. 1: Preisrückgang PV-Anlagen und Batteriespeicher im Vergleich

Eigenverbrauch zuerst: Die entscheidende Logik
Das Ziel ist nicht, möglichst viel Strom ins Netz einzuspeisen. Ziel ist Eigenverbrauch — denn wer selbst produzierten Strom selbst nutzt, spart den vollen Netztarif. Ein typischer Schweizer Haushalt zahlt heute 27,7 Rappen pro kWh3. Wer überschüssigen Strom einspeist, erhält seit Januar 2026 mindestens 6 Rappen/kWh4 — ein Bruchteil davon.

Der Batteriespeicher schliesst diese Lücke: Er verschiebt den Solarstrom von der Mittagsproduktion in den Abend und die Nacht — genau dann, wenn der Verbrauch im Haushalt am höchsten ist.


Abb. 2: Eigenverbrauchsanteil mit und ohne Batteriespeicher

Konkretes Rechenbeispiel: Einfamilienhaus Schweiz
Ausgangslage: 10 kWp PV-Anlage, 10 kWh Batteriespeicher, Jahresverbrauch 4.500 kWh.

Investition und Förderung
Die Bundesförderung (KLEIV) beträgt ab April 2025 rund CHF 360 pro kWp für angebaute Anlagen5. Hinzu kommen kantonale Beiträge (je nach Kanton) und die steuerliche Abzugsfähigkeit der Investition.

Jährliche Einnahmen / Ersparnisse

Eigenverbrauch (ca. 3.500 kWh × 27,7 Rp.) CHF 970
Einspeisung (ca. 2.500 kWh × 6 Rp.) CHF 150
Total jährlich ~CHF 1.120
Amortisationsdauer ca. 8–10 Jahre

 


Abb. 3: Kostenaufstellung nach Förderung und Steuerabzug

Hinweis: Die Zahlen variieren je nach Standort, Dachausrichtung, lokalem Netztarif und kantonaler Zusatzförderung. Einige Kantone (z.B. St. Gallen) bezahlen zusätzlich 50 % des KLEIV-Betrags.

Welche Technologie passt wann?
Es gibt heute im Wesentlichen zwei Ansätze für die solare Eigenproduktion:
PV — Klassische Photovoltaik
Solarmodule erzeugen Strom, der direkt genutzt oder im Batteriespeicher zwischengespeichert wird. Hohe technologische Reife, breites Angebot, gut kalkulierbare Amortisation. Moderne Hochleistungsmodule (TOPCon, HJT) erreichen heute 22–24 % Wirkungsgrad — vor zehn Jahren war 16–18 % Stand der Technik.
PVT — Photovoltaik-Thermie
PVT-Module kombinieren Stromerzeugung und Wärmegewinnung in einem einzigen Modul6. Die Solarzellen produzieren Strom, während ein darunter liegender Kollektor gleichzeitig Wärme gewinnt — für Warmwasser oder als Wärmequelle für eine Wärmepumpe. Ein PVT-Modul erreicht Gesamtwirkungsgrade von bis zu 80 %, liefert rund 190 W elektrisch und 440 W thermisch pro Quadratmeter.

PV (klassisch)

PVT (Hybrid)

Hauptzweck Strom Strom + Wärme
Gesamtwirkungsgrad 22–24 % (elektr.) bis 80 % (kombin.)
Ideale Kombination Batteriespeicher Wärmepumpe
Investitionskosten Tiefer Höher
Komplexität Gering Mittel bis hoch
Empfohlen wenn … Stromautarkie im Fokus Begrenzte Dachfläche, hoher Wärmebedarf

Vergleich PV (klassisch) vs. PVT (Hybrid-Kollektor)

Wann PVT sinnvoll ist

  • Begrenzte Dachfläche, auf der sowohl Strom als auch Wärme gewonnen werden sollen
  • Kombination mit einer Wärmepumpe — PVT liefert eine höhere Quelltemperatur und steigert deren Effizienz merklich
  • Ganzjähriger Wärmebedarf (Warmwasser, Heizung)

Wann klassische PV die bessere Wahl ist

  • Hauptziel ist Stromautarkie, kein erhöhter Wärmebedarf
  • Ausreichend Dachfläche für eine reine PV-Anlage vorhanden
  • Einfachere Installation und geringere Anfangsinvestition gewünscht

Betrieb bei Netzausfall: Was der Wechselrichter kann

Eine PV-Anlage produziert auch bei Stromausfall Solarstrom — aber nur, wenn die richtige Technik verbaut ist. Konventionelle Wechselrichter schalten bei Netzausfall sofort ab. Das ist keine Schwäche, sondern Vorschrift: Niemand darf Strom in ein Netz einspeisen, an dem Techniker arbeiten. Wer aber bei einem Blackout trotzdem Strom haben will, braucht einen Hybrid-Wechselrichter mit Inselbetrieb-Fähigkeit.

Drei Betriebsarten im Überblick
Der Wechselrichter ist das Herzstück jeder PV-Anlage und bestimmt massgeblich, was das System leisten kann:

  • Netzgekoppelter Wechselrichter (String-WR): Wandelt Gleichstrom der Module in Netzwechselstrom um. Günstig und zuverlässig — aber bei Netzausfall sofort ausser Betrieb. Kein Inselbetrieb möglich.
  • Hybrid-Wechselrichter mit Notstrom-Steckdose (Backup): Erkennt den Netzausfall in Millisekunden, trennt das Haus vom Netz und versorgt eine abgesicherte Steckdose oder einen Stromkreis mit bis zu 3 kW (einphasig). Ideal für Router, Kühlschrank, Beleuchtung. Batteriespeicher empfohlen, aber nicht zwingend.
  • Hybrid-Wechselrichter mit Ersatzstrom-Betrieb: Baut ein vollständiges Hausnetz auf — dreiphasig und mit voller Leistung. Versorgt das gesamte Haus oder definierte Stromkreise. Geeignet für Wärmepumpen, E-Auto-Ladung und längere Ausfälle. Erfordert einen Batteriespeicher und eine automatische Umschalteinrichtung.

Typ

Vorteile

Einschränkungen

Empfohlen für

Netzgekoppelt (String-WR) Günstigster Einstieg, keine Inselfähigkeit Fällt bei Netzausfall sofort aus Reine Einspeisung / Eigenverbrauch ohne Backup
Hybrid-Wechselrichter (Backup) Mittelklasse, Umschalten in ms Begrenzte Notstrom-Steckdose (1 Phase, max. 3 kW) Standard-EFH mit Batteriespeicher, Blackout-Schutz
Hybrid-WR mit Ersatzstrom Höchste Flexibilität, dreiphasig möglich Volles Hausnetz oder definierte Stromkreise im Inselbetrieb Wärmepumpe, E-Auto, höherer Komfort bei Ausfall

Vergleich der Wechselrichter-Typen nach Inselbetrieb-Fähigkeit

Was das für die Planung bedeutet
Wer heute eine PV-Anlage installiert, sollte die Entscheidung für den Wechselrichter-Typ nicht dem Installateur überlassen, sondern aktiv mitgestalten. 2026 ist der Hybrid-Wechselrichter bei den meisten Herstellern bereits Standard7 und der Mehrpreis gegenüber einem einfachen String-Wechselrichter gering. Die Nachrüstung einer Inselbetrieb-Funktion nach der Installation ist hingegen aufwendig und teuer.

Wichtige Punkte bei der Planung:

  • Beim Kauf explizit nach Notstrom- resp. Ersatzstrom-Fähigkeit fragen — nicht alle Hybrid-Wechselrichter unterstützen beide Modi
  • Für den Betrieb einer Wärmepumpe im Inselbetrieb ist eine dreiphasige Ersatzstromversorgung mit mindestens 5–8 kW Dauerleistung nötig
  • Die Umschalteinrichtung (Trennschalter) ist gesetzlich vorgeschrieben — kein Strom darf während des Inselbetriebs ins öffentliche Netz fliessen
  • Für einen mehrtägigen Inselbetrieb (z.B. Wintersturm) sind Batteriekapazitäten von 15–25 kWh realistisch einzuplanen

Hinweis zur Förderfähigkeit: Die Wahl des Wechselrichters hat keinen Einfluss auf die KLEIV-Bundesförderung. Auch Hybrid-Anlagen mit Inselbetrieb-Fähigkeit werden normal gefördert.

Was der Markt zeigt

In der Schweiz wurden 2024 rund 1,8 GW neue Solarleistung installiert8 — entsprechend einem AKW-Block. Swissolar erwartet bis 2030 jährliche Zubauraten von bis zu 2,7 GW. Die installierte Batteriespeicherkapazität stieg allein 2025 um rund 50 %. Ab 2026 führen erste Verteilnetzbetreiber dynamische Stromtarife ein, die eine noch bessere Optimierung des Eigenverbrauchs erlauben.
Das ist kein Trend mehr — das ist ein Massenmarkt.

Warum jetzt?
Drei Argumente sprechen gegen weiteres Warten:

  • 1. Preise auf historischem Tief — weitere Rückgänge sind möglich, aber nicht garantiert. Der leichte Preisanstieg bei Komplettanlagen seit Mitte 2025 könnte das Ende der starken Rückgangsphase signalisieren.
  • 2. Neue Regeln seit Januar 2026 — das neue Schweizer Stromgesetz bringt einheitliche Mindestvergütungen und mehr Planungssicherheit für PV-Anlagenbetreiber.
  • 3. Jedes Jahr ohne Anlage ist ein verlorenes Jahr — wer 2026 investiert, produziert ab 2027 eigenen Strom zu Grenzkosten nahe null, während die Netzpreise langfristig eher steigen als fallen.

Wer ein Eigenheim besitzt und noch keine Solaranlage hat, sollte heute konkret kalkulieren lassen. Der Pronovo-Tarifrechner auf pronovo.ch liefert die genauen Bundesförderbeiträge für die eigene Anlage — in wenigen Minuten.

1  ElCom, Strompreise 2026, news.admin.ch
2  Swissolar, Solarmonitor 2025, pv-magazine.de
3  Pronovo AG, Einmalvergütung, pronovo.ch
4  Schraner Solar, Solaranlage Kosten Schweiz, schranersolar.ch
5  Energie-Experten, Stromspeicher-Preise 2026, energie-experten.org
6  myky, Einspeisevergütung Schweiz 2026, myky.ch
7  regional-photovoltaik.de, PVT-Module, regional-photovoltaik.de
8  Kanton Aargau, Infoblatt Inselbetrieb PV-Anlagen, ag.ch